Home    Aktuelles    Kalender    Katalog    Anmeldung  
News u. Notiz
 Suche 

Home
News u. Notiz
Kalender
Info
Anmeldung
Kontakt

 Newsletter 
E-Mail-Info mit aktuellen News und Veranstaltungen
Zur Newsletter
Um-, Ab- u. Anmeldung

 Events 

 PDF, Audio, Video 

 LogIn 
UserName: 
Kennwort:  

Kennwort vergessen?
Neu Anmeldung

 Anmelden 


 News u. Notiz 
 

« zurück
Der transparente Bürger  (Archiv) 

Archiviert: 09.03.2011
Wen rufen wir wann an? Wie surfen wir im Internet? Die Politik diskutiert über die Ausgestaltung der Vorratsdatenspeicherung der Telekommunikationsdaten. Soziale Netzwerke wie Facebook vermarkten Profildaten ihrer Nutzer zur gezielten Werbung. Sind persönliche Daten überhaupt noch sicher? Ein Gespräch mit Rainer W. Gerling und Heidi Schuster, Datenschutzexperten der Max-Planck-Gesellschaft.


Eine wahre Datensammelwut: Der Staat speichert Informationen über uns, Unternehmen ebenfalls. Wie wertvoll sind diese Daten, sind sie die Währung von morgen?

Gerling: Das würde ich unterschreiben. Obwohl Daten an sich wertlos sind. Aber der Kontext, in dem sie stehen, ist das Spannende. Meine private Anschrift ist völlig irrelevant. Aber wenn sie diese anreichern mit zusätzlichen Informationen – Was bestelle ich für Bücher bei Amazon? Welche Webseiten sehe ich an? Mit welchen Leuten tausche ich E-Mails aus? – dann werden diese Informationen wertvoll. Wenn sie alles zusammenfügen, dann entsteht ein Bild von mir als Person.

Beeinflusst dies unser Verhalten, wie wir mit Daten umgehen?

Gerling: Ein Beispiel verdeutlicht dies: Einer meiner Studenten ist viel in die USA gereist, weil er dort bei einer Firma einen Job hatte. Als leidenschaftlicher Strategie-Computerspieler, hat er sich Bücher zu Militärstrategien im Internet gekauft. Als er sich aber dann Bücher über den Islam bestellen wollte, um das Wissen über seinen Glauben zu vertiefen, kam er ins Nachdenken.

Er hat sich diese Bücher dann nicht bestellt. Die Gefahr ins Raster von Fahndern zu passen, schien ihm zu groß. Aus der Überlegung heraus, seine Daten werden gesammelt, vielleicht zusammengeführt, schränkte er sich persönlich ein, um nicht unangenehm aufzufallen. Das zeigt letztendlich die gesellschaftlichen Gefahren: Wir ändern unser Verhalten – passen uns an – um nicht ins Raster zu passen.

Informationen lagen ja schon immer vor. Entsteht neue Brisanz auch durch ihre globale Verfügbarkeit?

Schuster: Wenn jemand früher in seinem Dorf von seinen Mitschülern gehänselt wurde, dann wusste dies auch jeder. Aber nur im Dorf. Wenn er dann in die Stadt ging, war diese Vorgeschichte gelöscht. Niemand wusste etwas über ihn. Heute sind solche Informationen unter Umständen im Netz global aufrufbar. Das bedeutet erst einmal eine neue Quantität. Ich dehne die Reichweite aus vom Dorf auf die Welt. Aber dadurch entsteht letztendlich auch eine neue Qualität.

Die besonders brisant wird, wenn der Staat persönliche Informationen nutzt. Die Politik diskutiert gerade wieder intensiv über die Vorratsdatenspeicherung. Ein Schritt in Richtung Überwachungsstaat?

Gerling: Jein. Zweifellos: Viele Daten entstehen; die Spuren, die wir hinterlassen, sind da. Das Problem ist natürlich, diese Informationen auszuwerten. Wenn ich beispielsweise mittags zum Essen gehe, passiere ich das bayerische Innenministerium. Da stehen fünf oder sechs Überwachungskameras, die alles aufzeichnen. Ich glaube nicht, dass sich jemand die Mühe macht, alle Mitschnitte systematisch zu analysieren. Das wäre viel zu aufwändig. Das gleiche gilt teilweise auch für Telekommunikationsdaten. Die Daten sind da, aber sie werden nicht genutzt.

Schuster: Das Problem bei vielen Datenspeichern ist meiner Meinung nach die Intransparenz. Viele Datensammlungen entstehen im Hintergrund, ohne dass der Bürger sie überhaupt wahrnimmt. So übermitteln Firmen Entgeltdaten ihrer Arbeitnehmer an zentrale Sammelstellen – Stichwort „Elena“. Datenschützer halten dies für verfassungswidrig und haben bereits Verfassungsbeschwerde eingelegt. Aber der Bürger hat sich darüber nicht aufgeregt.

„Street View“ von Google hat jeder wahrgenommen. Jeder konnte die Autos sehen, die durch unsere Straßen fuhren. Jeder konnte sich sein Stadtviertel, die Straße und das Haus, in dem er wohnt, im Internet ansehen. Deswegen die ganze Aufregung?

Gerling: Großteils ja. Der Hype um Streetview entstand sicherlich durch direkte Wahrnehmbarkeit: Ich sehe mein Haus, meine Wohnung im Internet. Dass mit „Elena“ eine viel kritischere Datensammlung entsteht, ist kaum jemandem bewusst. Die Datenspeicherung bei „Elena“ ist nicht wahrnehmbar.

Schuster: Wenn Unternehmen oder der Staat über solche großen Datensammlungen verfügen, werden diese über kurz oder lang auch missbraucht. Es ist nicht die Frage nach dem Ob, sondern nur nach dem Wann. Die Versuchung ist einfach zu groß.

Wie verhindere ich Missbrauch meiner persönlichen Daten?

Gerling: Gar nicht. Natürlich müssen sie in sozialen Netzwerken wie Facebook nicht leichtfertig persönliche Details über sich preisgeben. Doch selbst Menschen, die sich nie im Internet tummeln, werden überrascht sein, was in der digitalen Welt bereits über sie zu finden ist: Fotos, die irgendjemand von ihnen gemacht und ins Internet gestellt hat. Beispielsweise Siegerlisten von Tennisturnieren, Berichte von Veranstaltungen, an denen sie teilgenommen haben. Jeder, der am sozialen Leben teilnimmt, wird sich auch im Internet wiederfinden. Wenn jemand bei Google nach seinem Namen fahndet, ist dies nicht nur der Egozentrik geschuldet, sondern eine wichtige Schutzmaßnahme. Nur so weiß ich, was bereits über mich im Internet bekannt ist.

Auch Forschung ist ohne Daten nicht denkbar. Ich denke vor allem an Patientendaten in der medizinischen Forschung. Wie können Probanden geschützt werden? Wie kann man diese Datensammlung vor dem Angriff von außen schützen?

Schuster: Man kann genau das tun, was das Datenschutzgesetz vorschreibt, die Daten anonymisieren. So können die Daten nicht mehr einem Patienten zugeordnet werden und sind unkritisch. Das ist aus zwei Gründen sinnvoll: Zum einem schützt man so die Probanden, falls die Daten doch einmal in falsche Hände geraten sollten, aber man schützt auch die eigene Forschungsarbeit. Denn jeder Patient oder Versuchsteilnehmer hat das Recht, jederzeit ohne Angabe von Gründen seine Einwilligung zurückzunehmen und die Löschung seiner Daten zu verlangen. Wenn ich die Daten jedoch anonymisiert habe, dann kann ich die Daten nicht mehr löschen und ich verliere sie dadurch nicht.

Unternehmen rüsten auf im Kampf gegen Hacker. Es ist ein beständiger Wettlauf um bessere Technologien und Know-how. Sind Daten überhaupt noch sicher? Oder wird es in Zukunft eine Gesellschaft geben, in der vieles öffentlich und transparenter ist als heute?

Gerling: Ob eine beliebig transparente Gesellschaft erstrebenswert ist, wage ich zu bezweifeln. Transparente Entscheidungsprozesse sind sicherlich zu begrüßen; aber Privatsphäre ist auch unverzichtbar.

Absoluten Schutz vor Hacker-Angriffen gibt es jedoch nicht, wie die jüngst bekannt gewordene Angriffe Ghostnet oder Stuxnet zeigen. Um ein Bild zu verwenden: Einen Berg der unendlich hoch ist, den gibt es nicht. Doch der höchste Berg, wird am langsamsten erklommen. Deshalb ist es die Aufgabe von Datenschützer möglichst hohe Hürden zu schaffen, um Hackern ihre Arbeit zu erschweren. Wenn der Berg der Max-Planck-Gesellschaft zu hoch ist, suchen sie vielleicht einen niedrigeren.

Herzlichen Dank für das freundliche Gespräch!

Das Interview führte Barbara Abrell

Zur Person: Rainer W. Gerling

Der Physiker Rainer Gerling ist seit 1993 Datenschutzbeauftragter der Max-Planck-Gesellschaft und Honorarprofessor für IT-Sicherheit an der Hochschule München. Darüber hinaus ist Rainer Gerling Mitglied des Herausgeberbeirats der Zeitschrift „Datenschutz und Datensicherheit“. Zahlreiche Veröffentlichungen sind in verschiedenen Fachzeitschriften und Büchern erschienen. Er ist Mitglied im Ausschuss Recht und Sicherheit (ARuS) des DFN-Vereins. Er ist Koautor des Standardwerkes „Einführung in das Datenschutzrecht: Datenschutz und Informationsfreiheit in europäischer Sicht“.

Zur Person: Heidi Schuster

Heidi Schuster ist Juristin und seit 2006 als Referentin für Datenschutz und IT-Sicherheit in der Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft tätig. Von 2001 bis 2006 war sie Datenschutzkoordinatorin und Leiterin der Internen Revision am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik. Sie ist Lehrbeauftragte an der Hochschule München mit Schwerpunkt Telekommunikationsrecht, Recht der neuen Medien und Datenschutzrecht. Frau Schuster hält zudem regelmäßig Vorträge im Datenschutz- und IT-Recht und ist Koautorin eines Datenschutz-Praxiswerkes.

Webseite MaxPlanck, 28.02.2011

Thema: Datenschutz

Bitte vergeben Sie für diesen Artikel eine Note
zwischen +3 (lesenswert) und -3 (nicht lesenswert)

Artikel bewerten:
+3 +2 +1 0 -1 -2 -3

  Aktuelle Auswertung:
Gesamtbewertung (Alle Punkte): 0

Plus: , Neutral: , Minus: 0
  0 = neutral (Artikel zur Kenntnis genommen)


Leser-Beiträge
Hinterlassen Sie hier Ihre Informationen oder Anmerkungen, für andere Leser.
Jetzt ohne Anmeldung!

 neuen Eintrag erstellen 

Home | News | Kalender | Katalog | Anmeldung
Newsletter | Info | Impressum | Kontakt

diagramm.net - Alle Inhalte dienen der persönlichen Information.







Pub-Info